Statement Euthanasie
CS Grundhaltung zur Euthanasie
Menschen erleben ihr eigenes Leben in Krankheit und Alter oder das ihrer Angehörigen als Belastung und stellen Überlegungen in diese Richtung an. Darin zeigt sich oft Hilflosigkeit im Umgang mit der Situation. Gebrechlichkeit, Leiden und Hilfsbedürftigkeit stellen alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. Wir wollen diesen Fragen sensibel, einfühlsam und respektvoll begegnen.
Der Wunsch nach Euthanasie stellt auch uns die Frage, wo wir glauben, eigenes und fremdes Leiden nicht mehr ertragen zu können. Wir wollen BewohnerInnen, Angehörige und einander in den Betreuungsteams in solchen belastenden Situationen unterstützen, damit alle Beteiligten den Anforderungen durch die Auseinandersetzung mit Erkrankung und Leid gewachsen sind. Wir wollen diesen Herausforderungen sensibel, einfühlsam und respektvoll begegnen.
Wir geben Raum, damit Menschen offen über die von ihnen empfundenen Grenzen des Zumutbaren sprechen können.
Die Caritas Socialis gibt es, weil wir belastende Situationen mittragen wollen. Wir sind überzeugt, dass gerade diese Lasten nur miteinander zu tragen sind. Wir werden uns in keiner Weise daran beteiligen, Menschen, die sich als Last empfinden, aus unserer Gesellschaft verschwinden zu lassen. Seit Hildegard Burjan sind wir solidarisch mit Menschen in ihrer Verletzlichkeit. Wir setzen uns daher auch für Menschen am Ende des Lebens und ihre Angehörigen ein.
Wir sind wachsam gegenüber Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die Ausgangspunkt für den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe sein können: fehlende soziale Beziehungen und Vereinsamung, ein einseitig an Leistung orientiertes Menschenbild und Überlegungen, die den Wert des Lebens an Leistungsfähigkeit und ökonomischen Kriterien messen wollen.
Wir sind überzeugt: Niemand muss sich für sein Angewiesensein auf Pflege und Unterstützung rechtfertigen. Hilfsbedürftigkeit widerspricht nicht der Würde des Menschen, sondern gehört zum Wesen des Menschseins*.
Wir wissen uns dem christlichen Menschenbild verpflichtet und treten daher entschieden für einen umfassenden Schutz des Lebens (auch und gerade wenn es verletzlich und bedroht ist) ein. Die CS steht für Hilfe zum Leben. Wir wollen Menschen helfen, ihr Leben bis zuletzt anzunehmen. Das bedeutet, Menschen zum Leben zu ermutigen, aber nicht zum Leben zu zwingen.
Wir verweigern uns der aktiven Sterbehilfe.
Die CS steht für größtmögliche Lebensqualität bis zuletzt, für die Achtung vor der Würde des Menschen, für hospizliche Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen und für eine ganzheitliche Pflege und Betreuung im Sinne des Palliative Care-Konzepts. Palliative Care bejaht das Leben und betrachtet das Sterben als natürlichen Prozess, der weder beschleunigt noch verzögert wird. Schmerzen und anderen belastenden Symptomen – physisch, psychosozial und spirituell – wollen wir in umfassender Weise begegnen und eine Linderung anstreben.
Professionelle Pflege und Betreuung und der hospizliche Gedanke sind für uns untrennbar miteinander verbunden. Solche Begleitung soll allen zukommen, die das brauchen.
Das Sterben ist ein individueller Prozess. Wir achten das Recht der BewohnerInnen auf Selbstbestimmung und wissen um die besondere Hilfs- und Schutzbedürftigkeit von Schwerkranken und Sterbenden. Wir unterstützen alle Formen, den Willen des/der BewohnerIn zu erfassen und nehmen diese Äußerungen ernst. Aus dem Recht auf Selbstbestimmung kann jedoch weder ein Recht auf Suizidbeihilfe noch auf Euthanasie abgeleitet werden.
Wir wollen unseren MitarbeiterInnen in der anspruchsvollen Aufgabe der Begleitung in Alter, Krankheit und Leiden Hilfe, Unterstützung und Orientierung geben. Die Beschäftigung mit Hospizkultur auf der Grundlage der Mäeutik bietet eine gute Grundlage für unsere MitarbeiterInnen, um den Fragen am Lebensende kompetent, verständnisvoll und einfühlsam zu begegnen.
*vgl. Stellungnahme des Dachverbands Hospiz Österreich zur Euthanasiedebatte 01.02.2008, www.hospiz.at







